Elternnachmittag im Kindergarten - Oder: Wölkchen mischt auf.

Etwas aufgeregt schob ich den Buggy über die holprige Straße. In meinen Gedanken sah ich, wie Wölkchen friedlich mit den anderen, bald einzuwöhnenden Kindern spielt, während wir Eltern uns über die Kita-Start-Modalitäten unterhielten. Ich lag gut in der Zeit und würde so fünf Minuten vor Start des Elternnachmittags in der Kita ankommen. Den Buggy stellte ich am Stellplatz ab, schnappte mir Wölkchen und stieg die Treppen hinauf, die ich inzwischen bereits seit drei Jahren kennen, die Wirbelwind in diese Einrichtung geht. Und nun, in drei Monaten, würde es Wölkchen sein, die diese Treppen Jahr für Jahr hinauf- und hinabsteigen würde.


Ein Kind zu viel

Ich betrat das Zimmer der Mini-Gruppe und fand, wie erwartet, Eltern auf viel zu kleinen Stühlchen sitzend vor. Ein paar von Ihnen kannte ich bereits, da auch sie ältere Geschwisterkinder im Kindergarten hatten. Ich grüßte freundlich in die Runde und stellte gleichzeitig fest, dass niemand, ich wiederhole NIEMAND sein Kind dabei hatte. Naiv, wie ich war, merkte ich das gegenüber der Kita-Leiterin an und bekam in einem etwas vorwurfsvollen Ton gesagt, dass es aber in der Einladung stand, dass wir keine Kinder mitbringen sollen.
Ach die Einladung. Das war ja schon damals so ein Thema. Denn ich hatte sie nie erhalten. Die Leiterin glaubt da zwar eher an Schlamperei meinerseits, aber ich bin felsenfest davon überzeugt, dass ich diese Einladung nie gesehen hatte. Auf der Straße steckte mir die Leiterin dann vor einem Monat einen Zettel mit dem Termin für diesen Tag zu. Von "Aber bitte lassen Sie Ihr Kind zu Hause" sagte sie nichts.
Zum Elternnachmittag in der Kita als Einzige mit Kind auftauchen.
Kann ich. 🙈
— WIEBKE (@VerflixteAlltag) 30. Juni 2016

Ich gab dem Papa über Handy eine kurze Info zum Stand der Dinge, der noch auf Arbeit festsaß. Er fragte, ob er kommen solle, doch in meiner Selbstüberschätzung winkte ich ab: "Ach das bekomme ich schon hin".

Wölkchen-Kino

Tja, wird wohl nichts mit einem lustigen Spiele-Nachmittag mit anderen Kindern. Stattdessen durfte Wölkchen als einziger Knirps die gesamte Runde erheitern. Aufgeweckt genug ist sie ja. 

Immerhin fünf Minuten lang spielte sie angeregt mit dem Magnetverschluss meines Notizbuches. Weitere fünf Minuten konnte ich sie mit Essen hinhalten. Dann wurde es ihr zu langweilig. Die Kita-Leiterin erkannte das Problem, griff hinter sich und steckte ihr Stapelbecher zu. Auch hier hatten wir wieder gute fünf Minuten gewonnen. Allerdings mussten auch die anderen Eltern tatkräftig mithelfen, um diese Idylle zu bewahren, denn Wölkchen forderte einen völlig fremden Vater immer wieder auf, ihren Becher entgegen zu nehmen und damit lustige Dinge zu machen. Auch gut, so konnte ich mich etwas auf die Gespräche konzentrieren. Allerdings wurde mir dort nichts Neues gesagt, im Gegenteil, ich durfte den "Frischlingen" noch erklären, welche Windelüberhosen für die Stoffwindeln geeignet sind.

Dann wurde Wölkchen wieder nölig. Diesmal griff eine ihrer zukünftigen, äußert sympathischen Erzieherinnen ein. Sie überreichte ihr ein Holzpuzzle, das sie jedoch nur wenig begeisterte. Also zog ich mich vom gemütlichen Tischchen zurück und bespielte Wölkchen im Hintergrund des Geschehens. 

Nächstes Highlight war dann, wie sie versuchte unter einem dieser winzigen Stühle hindurchzuklettern. Das klappte doch zu Hause immer so gut, dachte sie sich wohl und blieb unerbittlich darin stechen. Ein kurzes, gequältes Schreien übertönte die elterlichen Fragen nach dem Tagesablauf. Also versuchte ich Wölkchen zu beruhigen und wieder mit Essen abzulenken. Nudeln gehen immer, genauso wie Quetschobst.

Die Stimmung kippt

Von Minute zu Minute wurde sie schwerer zu beschäftigen. Meinen Joker zur Wölkchenbeschäftigung konnte ich hier nicht ausspielen, zu viele Zeugen, die mich dafür eventuell verurteilen könnten: mein Portemonnaie. "Aah, die verschluckbaren Kleinteile. Und die Keime!!!" Also dachte ich mir so, ich könnte sie doch mal in den Flur rausschicken. Aber dass ich die Tür zum Bad verschloss, gefiel ihr gar nicht. Denn sie wusste ja aus Erfahrung, dass man da so herrlich in Waschbecken und Toilette planschen kann. Also Kommando zurück und wieder in den Raum mit all den anderen Müttern und Vätern gesteckt. Bald hatten wir es ja geschafft. 

Als die Schlussworte gesprochen wurden, trug ich Wölkchen im Raum hin- und her. Die Eltern stürzten sich anschließend auf die Bildchen, die ihr Kind das nächste Jahr an Garderobe, Schränkchen und co. begleiten sollten. Ich wartete geduldig ab und hatte am Ende die Wahl zwischen Fisch und Schwein. Fisch passte doch ganz gut, dachte ich, und schnappte mir das Bildchen. Die Kita-Leiterin schrieb mir auf die Rückseite den Starttermin der Eingewöhnung: 4.10., 15 Uhr.


Nachhall

Als ich den Raum verließ, kam mir der Papa entgegen. Wir schnappten uns Wirbelwind, die brav mit den anderen Geschwisterkindern im Garten gespielt hatte, und fuhren nach Hause. Wir ließen die Eindrücke sacken.
Am nächsten Tag besorgte ich einen schönen bunten Ordner, der Wölkchens Kindergartenzeit dokumentieren wird. Obwohl noch so viel Zeit war, konnte ich es nicht erwarten, den ersten Schritt zu tun. Gestern bestellte ich noch ein neues Windelhöschen. 
Ich bin bereit. So unglaublich bereit. Und ich denke Wölkchen ist auch mehr als bereit für die Kita. Das macht sie mir täglich deutlich, wenn sie in Wirbelwinds Gruppenraum flitzt und es sich dort gemütlich macht. Die Enttäuschung ist jedes Mal groß, wenn ich sie wieder mitnehme. Fast schade, dass die Eingewöhnung ERST im Oktober ist. Aber ich sollte die Zeit mit meinem Wölkchen jetzt wohl noch genießen. 

Also dann, auf die letzen drei Monate... 

Eure Wiebke
    

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