Wiebke hatte Ausgang

Puh, geschafft. Mein ganzer Körper ist von Adrenalin durchflutet. So wach war ich die letzten sieben Monate nicht. Denn: ich war aus. Das erste Mal seit der Geburt von Wölkchen habe ich abends das Haus verlassen. Wie geplant wollte ich nun ab Januar wieder mit dem Chor angefangen. Heute war es soweit. Die erste Chorprobe stand an. Und da ich nicht den ganzen Chor zu uns nach Hause einladen konnte, musste ich wohl oder übel das Haus verlassen. Gar nicht so einfach, wenn man sein Baby noch stillt und es auch sonst gewohnt ist abends und nachts von Mama umsorgt zu werden.


Planung ist alles

Ja, ich weiß gerne im Voraus, was auf mich zu kommt. Ich bin nicht sonderlich spontan. Manche mögen vielleicht sagen ich sei ein Kontrollfreak. Vielleicht stimmt das auch. Aber ich gebe zu, dass es seit der Geburt der Kinder besser geworden ist, wirklich! Ach worauf wollte ich hinaus? Ach ja: also habe ich auf meinen heutigen Abend minutiös geplant. Zunächst einmal habe ich im Dezember Wölkchen vom Einschlafstillen abgewöhnt. Ziel war es, dass sie im Falle eines Wachwerdens vor meiner Rückkehr sich auch vom Papa beruhigen lässt, also von einer Person ohne milchsprudelnden Brüsten. Positiver Nebeneffekt: Sie schläft etwas länger, drei bis vier Stunden am Stück (von Ausnahmen mal abgesehen) und nimmt nun den Nuckel. 
Heute dann habe ich darauf geachtet, dass sie nachmittags nicht noch einmal ein Nickerchen macht, damit sie abends auch wirklich müde ist und vor 19:15 Uhr eingeschlafen ist, wenn ich losmusste. Blöd war nur, dass sie bereits 14 Uhr aus ihrem Mittagsschläfchen erwachte (obwohl ich sie in der Manduca schunkelte, siehe Bild). Aber ich zog es durch, und so öffnete Wölkchen dann 18:30 Uhr beim Breiessen nach 4 1/2 Stunden Wachzeit wie in Trance ihren Mund, um den Kleister zu verschlingen. Im Bett kugelte sie sich ganze fünf Minuten umher, ehe sie tief und fest schlummerte. Das weiß ich deshalb, weil ich selbstverständlich ganz behutsam gegen eine PET-Wasserflasche trat, als ich aus dem Raum schleichen wollte. Von ihr kam kein Mucks. Dann also los.

Die Chorprobe

Auf die Chorprobe habe ich mich riesig gefreut, weil ich endlich alle bekannten und auch ein paar neue Gesichter wiedersehen konnte. Und gefreut habe ich mich auch, weil wir Carmina Burana proben würden (Einige von Euch mögen es kennen?!). Mein Handy hielt ich griffbereit, um im Fall eines Notrufes vom Mann sofort in mein Superwoman-Kostüm zu schlüpfen und nach Hause zu fliegen. Und tatsächlich, ständig surrte mein Handy, allerdings war es "nur" Twitter. Denn die liebe Jessi von Terrorpüppi hatte einen Tweet von mir retweetet, der genau im Zeitraum der Chorprobe x-mal geliked und abermals retweetet wurde. Und jedes Mal vibrierte mein Handy und ich starrte in leichter Panik drauf. Danke Jessi ;-P
Am Ende der Chorprobe schrieb ich meinem Mann, dass ich jetzt komme. Keine Reaktion. Ich lief ein paar Schritte die Straße entlang, guckte nochmal auf das Handy. Wieder keine Reaktion. "Der ist bestimmt beim Wölkchen und versucht sie vergeblich zu beruhigen!", schoss es mir gleich durch den Kopf. Warum sollte er sonst nicht an sein Handy gehen? Ich lief im eiligen Schritt an den zahlreichen Wohnhäusern vorbei und meinte jedes Mal Wölkchen schreien zu hören.  

Worum ich mir Sorgen mache?

Ehe jetzt die Männer aufschreien: um meinen Mann machte ich mir keine Sorgen. Wenn Wölkchen wach werden würde, würde er sich liebevoll um sie kümmern, sie streicheln, ihr gut zureden, den Nuckel zurück in den Mund stecken, sie hochnehmen, ihr ein Lied singen, sie wiegen oder, wenn auch das nicht hilft, eine Flasche Milch geben. Er würde alles tun, damit es Wölkchen besser geht und sie wieder ins Land der Träume sinkt. Alles. 
Worum mache ich mir dann Sorgen? Ums Wölkchen. Denn sie kann ich einfach nicht einschätzen. Lässt sie sich vom Papa beruhigen? Bislang habe das vorrangig ich gemacht. Sie kennt es nicht anders. Und wenn nun Papa am Bettchen steht, nicht die Mama, wie wird sie reagieren? In der Hinsicht ist sie für mich wirklich eine black box. Ich kann nicht hineinsehen und erkennen, wie sie reagieren wird. Es ist unberechenbar und, im schlimmsten Fall, artet es in einem stundenlangen Schreien aus.

Das Ende vom Lied

Und wie ging es nun aus? Ich hastete die Treppen hinauf, öffnete zaghaft die Wohnungstür und hörte ... nichts. Stille. Ich betrat das Wohnzimmer und fand den Mann am PC vor. Wölkchen schlief. 
Eine viertel Stunde später wurde sie wach und ich war da. Alles Gut. 

Bis zum nächsten Freitag werden wir wohl mal den Papa zum Wölkchen schicken, wenn sie vorzeitig wach wird. Dann können wir mal testen, wie sie reagiert. Ihr wisst schon, ich bin gerne vorbereitet. ;-)

Eure Wiebke