Ohnmacht

Nun liege ich auf dem Sofa, meine Knie noch ganz zittrig. Die Gedanken kreisen um Wölkchen. Schläft sie nun? Funktioniert das Babyfon? Brüllt sie sich auch ja nicht wieder die Seele aus dem Leib? Die Große, Wirbelwind, musste der Papa ins Bett bringen. Ich hatte keine Kraft mehr dazu, genauso wie ich zum Essen keinen Appetit hatte. Es schlaucht, diese Ohnmacht. Diese Hilflosigkeit. Einziger Trost: der Papa, der mir ungewöhnlich ruhig zur Seite stand, wie ein Fels, während ich Wölkchen gegenüber nur souverän tat, um sie nicht noch mehr aus der Fassung zu bringen. Was war passiert? KEINE AHNUNG!!!

Rückblick

Vor drei Tagen waren wir zu den Großeltern ins Erzgebirge gefahren. Wölkchen lebte sich recht gut ein, fremdelte nur am Anfang und ließ sich dann auch von Oma und Opa tragen. Allerdings beschäftigte sie sich nur wenig selbst, wollte nicht alleine auf ihrer Krabbeldecke liegen bleiben. Und abends schlief sie schlechter in ihrem Bettchen ein. Nachts musste ich sie ganz zu mir ins Bett holen, um auch etwas zu Schlaf zu kommen. Es zeigt, dass die fremde Umgebung sie beschäftigte. Dann hatte sie seit gestern sehr festen Stuhl, schrie richtig beim sch... . Und auch die Zähne schienen sie wieder zu beschäftigen, denn sie sabberte heute sehr viel, die Hände ständig im Mund, als hätte es sonst nichts zu Essen gegeben.

Der Anfang vom Ende

Mittags fing es dann an. Sie wollte nicht mehr gestillt werden. Brei aß sie nur wenig, und das, wo wir heute zu meiner Schwester weiterfahren wollten. Also füllte ich etwas Milch ab und wir fuhren los. Im Auto war sie zunächst gut drauf, trank die Flasche Milch leer, spielte mit ihrem Spielzeug, meckerte etwas, nahm den Nuckel und irgendwann schlief sie dann ein. Leider wachte sie aber nach einer halben Stunde wieder auf. Alle Wiedereinschlafversuche scheiterten. Nicht sonderlich gut gelaunt zwang sie uns zu einer Pause. Doch trinken wollte sie nichts. Also weiter im Programm. 45 Minuten Autofahrt lagen noch vor uns. Nach einiger Meckerei und 20 Nuckel-in-den-Mund-steck-Aktionen schloss sie tatsächlich wieder die Augen. Doch zu früh gefreut. 10 Minuten später schrie sie plötzlich auf und hörte nicht mehr auf. Für mich war nicht ersichtlich, warum. Sie schrie einfach. Und schrie. Tränen kullerten über ihr kleines Gesicht und mit jedem Schluchzer geriet sie mehr aus der Fassung. Zum Glück dauerte die Autofahrt nur noch ein paar Minuten. 

Schrei-Spirale

Als wir die letzten Meter zurücklegten, löste ich bereits den Gurt und hob sie, sobald das Auto stand, aus ihrem Sitz. Sofort hörte sie auf zu Schreien und lächelte mich sogar an. Doch die Stimmung war gleich hinüber, als wir das Haus betraten und sie in fremde Gesichter sah. Dass Oma sie gleichmal auf den Arm nahm, machte es nicht besser. Die nächsten Minuten steigerte sie sich immer weiter hinein. Auch hier wollte sie nicht trinken, weder von mir, noch aus der Flasche, die ich in meiner Verzweiflung anrührte. Irgendwann war Wölkchen völlig aufgelöst und schluchste nur noch herum, dass ich sie kurzerhand in die Manduca packte und loslief. 

Es dauererte eine weitere viertel Stunde, ehe sie sich beruhigte und tatsächlich einschlief. Es war inzwischen 17.30 Uhr und stockdunkel. Anstatt den zweiten Weihnachtsfeiertag mit meiner Schwester und Mutter zu verbringen, lief ich den dunklen Weg auf und ab. 20 Minuten später wachte Wölkchen wieder auf und schrie sofort weiter. Ich ging rein. Wir zogen ihr Schlafsachen an und versuchten sie weiter zu beruhigen. Eine halbe Stunde später trank sie etwas Milch aus der Flasche. In meinen Armen schlief sie ein. Ich legte mich zusammen mit ihr hin. Zunächst bleib sie ruhig liegen. Als ich anstalten machte zu gehen, krümmte und räkelte sich. 

Einige Minuten später wurde sie wieder wach. Sie schnappte sich ihren Nuckel und prabbelte drauflos. Sie war wieder die Alte. Einfach so. Endlich, nach sieben Stunden (!!!), ließ sie sich wieder stillen. Ich legte sie in ihr Bettchen, wo sie einschlief, als wäre es das Normalste der Welt.

Epilog

Ich schlich mich aus dem Zimmer und fragte mich, was hier passiert ist. Waren es die Zähne? Hatte sie Bauchweh? War es die fremde Umgebung? Und noch viel wichtiger: wird sie morgen mit all dem fertig, oder wird sie erneut Brüllen, bis beide Seiten kraftlos zu Boden sinken? 

Gerne hätte ich etwas weniger Nervenkitzel, wenn ich mein Baby umsorge. Ein Baby, das trinkt, wenn man es ihm anbietet, das guckt, wenn man es auf die Decke legt, das schläft, wenn man es zu Bett bringt. Das wäre doch was. 
Eines steht zumindest fest: Wölkchen stellt meinen Perfektionismus und mein Kontrollbedürfnis ordentlich auf die Probe
Eure Wiebke


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