kaputt

Eine Bekannte hatte mir vor ein paar Tagen eröffnet, dass sie das dritte Kind erwartet. Ich habe mich für sie gefreut. Doch ich fragte sie: "ich hätte gewartet, bis die Großen aus dem Gröbsten raus sind". "Sind sie doch", kam die Antwort. Ja, sie sind sechs und vier Jahre alt. Ist wohl nicht zu vergleichen mit einer Dreijährigen und einem Viermonatigen Baby. Und genau dieser Moment machte mir deutlich: nein, ein drittes Kind könnte ich mir derzeit so gar nicht vorstellen. Drei Kreuze für jeden überstandenen Tag. Er bringt mich näher an etwas mehr Selbst- und weniger Fremdbestimmung. Das Ganze nochmal von Vorne? Es ist immernoch anstrengend, aber die Anfangszeit noch mehr. Nein Danke. 

Ja, ich bin kaputt. Ehrlich gesagt weiß ich nicht so genau, warum eigentlich. Klar, der Mama-Alltag ist stressig, aber irgendwie stecke ich die Babyzeit viel schlechter weg, als bei Wirbelwind damals. Na gut, ein wenig ist es auch logisch, denn neben dem Baby habe ich eine aufmüpfige Dreijährige zu umsorgen. Aber ist das der Grund? Oder ich werde einfach alt, bin eben nicht mehr so belastbar?!
 

Der verflixte Alltag

Heute war der körperliche Tiefpunkt erreicht. Gestern bereits hatte ich einen steifen Nacken vom Baby herumtragen, heute gesellen sich tierischer Muskelkater in Armen und Beinen dazu. Hier ist wohl auch die Rückbildung Schuld, aber auch das ewige Babygeschleppe. Immer öfter habe ich abends Kopfschmerzen, weil Wölkchen den ganzen Tag laute Töne von sich gibt. Wenn sie nicht weint, dann meckert sie oder sie erzählt so laut, dass man überlegt ein Dauerabo für Oropax zu besorgen. 
So gestaltet sich der Tag: Morgens, wenn sich Wölkchen noch gut ablegen lässt, mache ich Wirbelwind für den Kindergarten fertig. Dann trage ich Wölkchen in der Babytrage vor mir her, während ich Wirbelwind in den Kindergarten bringe. Wenn ich Glück (oder Pech) habe, schläft Wölkchen dann 1 1/2 Stunden an mich gekuschelt. Das ist einerseits sehr schön, andererseits geht es mir sehr stark in den Rücken. Hinsetzen geht nicht, da wird sie sofort wach. Anschließend wird Wölkchen eine Weile betüdelt, gestillt, bespaßt, gewickelt, wieder herumgetragen. Mittags legen wir uns für gewöhnlich ins Schlafzimmer, wo sie immerhin schon zweimal sogar von alleine eingeschlafen ist. Nach 30 Minuten, wenn sie wieder wach ist, muss ich aber dann doch als Nuckel herhalten und so gewinne ich gerne nochmal eine gute Stunde. Freiraum für mich - Fehlanzeige. Nach weiteren 2 Stunden Babybespaßung geht es nachmittags wieder in den Kindergarten, Wirbelwind abholen. Meist landen wir dann auf dem Spielplatz, wo ich in inzwischen echt kalter Umgebung anfange das wieder wache Wölkchen zu Stillen und herumzutragen. Noch mehr Rückenschmerzen. Irgendwann kommt dann der Papa von Arbeit und nimmt sie mir mal ab. Aber Hinsetzen ist nicht. Wirbelwind sieht, dass ich frei bin und fordert mich zum Hüpfen, Trampolinspringen und Balancieren auf. Uff...
Zeit für mich habe ich selten. Am Wochenende, wenn der Mann mit Wölkchen etwas Spazierengeht, bleibt ja immernoch Wirbelwind. Sie fordert zu Recht auch etwas Mama-Zeit ein. Ausruhen... Pustekuchen. Aber immerhin ist es für mich eine willkommene Abwechslung. Denn Wirbelwind muss ich nicht mehr in der Gegend herumtragen. 

Was belastet mich also so? 

Was mich so belastet? Ich denke es ist eine Mischung aus körperlicher Beanspruchung, gerade durch das Tragen des Babys, und geistiger. Ich kann meinen Tank nicht auffüllen, nicht abschalten. Wenn das Baby nicht gerade an mich gekuschelt schläft, dann schiebe ich den Kinderwagen oder versorge meine Grundbedürfnisse, wie Duschen, Essen und Schlafen. Hier einzuordnen sind die Rückenbeschwerden, der Muskelkater, das Mattheitsgefühl, die Kopfschmerzen.

Dann zu erwähnen ist das Stillen. Es schlaucht mich enorm. Ich glaube ich bin nicht gemacht dafür. Schon in den ersten zwei Wochen hatte ich starke Schmerzen. Die sind zum Glück verschwunden. Seitdem die Kauleiten von Wölkchen jedoch hart geworden sind, schmerzt mir wieder alles. Und da sind noch keine Zähen da. Hinzu kommt, dass Wölkchen mich gerne mal beißt oder ihren Kopf beim Trinken zur Seite reißt. Immer öfter atme ich tief ein und halte die Luft an, wenn ich Wölkchen anlege. Wenn da nicht die wunderschönen Momente wären, wenn sie ganz ruhig (meist nachts) an mir trinkt. 

Die Liste wird noch länger. Der Schlafmangel ist auch nicht zu verachten. Leider wacht Wölkchen ca. dreimal pro Nacht auf. Die schöne Anfangszeit, in der sie nur einmal in der Nacht kam, sind passé. Die letzten zwei Nächte fand es Wölkchen zudem lustig, jeweils über 1 1/2 Stunden wach zu sein. Sie wollte nach dem Stillen einfach nicht wieder einschlafen und gluckste und prabbelte stattdessen vor sich hin.

Heute kam dann noch dazu, dass es mir ab Mittags flau im Magen war (ich hoffe es ist nicht Wirbelwinds Magen-Darm-Geschichte von vor zwei Nächten). Kein Appetit, schwach und schummrig schleppte ich mich durch den Nachmittag. Auch jetzt ist es noch nicht weg, aber zumindest kann ich jetzt die Beine auf dem Sofa hochlegen und entspannen (und mir die Seele vom Leib schreiben). 
Ich sehne den Tag herbei, an dem Wölkchen anfängt zu Krabbeln. Dann muss ich zwar auch auf der Hut sein, aber sie nicht mehr so viel Tragen. Ich glaube das würde schon Vieles erleichtern. Und ich gebe es zu, ich sehne den Tag herbei, an welchem ich nicht mehr Stillen muss. Ich kann auch mal etwas für mich tun und dem Papa die Flasche in die Hand drücken. Ich kann mal wieder durchatmen. 
Ich bin gerne Mama und genieße die Zeit mit meinen Kindern. Aber wie schon die liebe Séverine von "Mama on the rocks" gesagt hat: auch Mamas brauchen etwas "MeTime".
Eure Wiebke

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