Wirbelwind und ihr neues Geschwisterchen - eine kleine Zwischenbilanz

Wirbelwind ist bis heute noch euphorisch, wenn es um das Baby geht. Immer wieder will sie es streicheln, küssen, drücken, auf den Schoß nehmen und beim Windelwechseln mithelfen.  Auch das neu eingeführte abendliche Ritual, das Baby auf ihren Schoß setzen und gemeinsam ein Gutenachtlied singen, fordert sie ein, auch wenn Wölkchen dann meistens schreit. Wenn sie noch den Nuckel nehmen würde, wäre ihr "Spielzeug" perfekt. Die Puppe, die sie zur Geburt geschenkt bekam, liegt meistens in der Ecke. Sie hat wohl zu wenig Funktionen. Aus dieser Sicht scheint also alles perfekt. Eine Eifersucht auf das Baby kann ich da nicht entdecken. Wenn da nicht eine Sache wäre...


Denn was sich verändert hat ist das Verhältnis von Wirbelwind zu mir.

Manch einer nimmt sein Kind nach der Geburt des Babys ganz bewusst eine Woche aus dem Kindergarten, damit das große Geschwisterchen merkt, wie langweilig es mit Baby doch eigentlich ist und es am Ende von ganz alleine wieder in den Kindergarten möchte. Das haben wir nicht gemacht, da ich denke, dass auch die Routinen beibehalten werden sollten. Aber da Wölkchen an einem Donnerstag kam, als Wirbelwinds Kita noch im Streik war, hatten wir als Familie ganze vier Tage gemeinsam. 
Die ersten Wochen liefen sehr gut. Natürlich war Wirbelwind auch mal enttäuscht, wenn ich sie nicht ins Bett bringen konnte, aber ich erklärte ihr genau warum und versprach, dass es bald anders werden würde, und sie schien es zu verstehen. Bald schon rief sie, wenn sie nachts wach wurde oder auf dem Spielplatz Hilfe brauchte, nicht mehr nach Mama, sondern nach Papa. 

Doch irgend etwas änderte sich nun. Seit zwei Wochen ist sie wegen Schließzeiten nicht mehr im Kindergarten und hockt Tag für Tag bei uns. Immer wieder sehen zu müssen, wie ich Wölkchen stille oder herumtrage, scheint ihr nicht zu gefallen. Anfangs sagte sie noch: "Das Baby weint. Los, geh stillen!". Nun kommen Kommentare wie "Mama, Du sollst hier bleiben, nicht stillen!"
Auch wenn wir unterwegs sind, hängt sie nun wie eine Klette an mir und hascht nach meiner Aufmerksamkeit. Wenn ich mich ein paar Meter von ihr fortbewege (oder auch in der Wohnung ohne Erklärung den Raum verlasse), ruft sie gleich "Mama, warte!" und rennt hinterher. 
Wenn mich das Baby mal wieder zu sehr beansprucht, ruft sie "Mama, Du sollst Dich um mich kümmern!" oder wenn das Baby gerade schläft "Jetzt kannst Du Dich um mich kümmern!", was ich auch gerne tue.
Und wenn es dann doch mal klappt und ich sie ins Bett bringen kann, dann zieht sie die Prozedur ewig in die Länge. Insbesondere wenn sie keinen Mittagsschlaf gemacht hat, kann sich das Ganze dann gerne etwas aufschaukeln.

Ich kann Wirbelwind sehr gut verstehen. Jetzt muss sie meine Zuwendung plötzlich teilen. Klar ist das schwierig für sie. Im Großen und Ganzen macht sie das auch ganz gut. Ich hoffe nur, dass sich die Situation zwischen mir und ihr nicht weiter zuspitzt und sie mir gar keine Luft mehr lässt. 
Morgen fahren wir in den Urlaub. Die zwei Wochen werden sicherlich entspannter, da auch Verwandtschaft dabei ist und Wirbelwind ablenken kann. Und anschließend geht sie wieder in den Kindergarten. Auch wird sich die Situation mit dem Baby, so hoffe ich, bald regulieren und es mich nicht mehr so vereinnahmen (ich warte auf das Ende der berühmten ersten 12 Wochen). Und auch Wirbelwind wird sicher bald vergessen, wie es ohne Geschwisterchen war.

Doch eines steht fest: Mein Anspruch auch für Wirbelwind da zu sein, wenn mir das Baby einmal eine Pause gibt, ist gerade in der Kitafreien Zeit eine große Herausforderung. Freie Zeit bleibt mir nur, wenn sie - wie jetzt - mit dem Papa spielt und vergisst, dass ich ja eigentlich gerade Zeit hätte. 

Wie haben Eure Großen auf den Nachwuchs reagiert?

Eure Wiebke

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