Die Super-Mama


Quelle:Pixabay.com
Es gibt sie, die perfekte Mutter, die Super-Mama. Ich habe sie mit eigenen Augen gesehen. Wie eine Fatamorgana stand sie letztens vor mir, so dass ich mir dreimal die Augen reiben musste, um zu realisieren, dass sie echt war. Fasziniert und wahrscheinlich mit offenem Mund versuchte ich sie nicht zu sehr anzustarren wie eine Zirkusattraktion. Wieso sie so perfekt war? Lest selbst...
 
Seichte Harfenklänge ertönen, als diese elfenhafte Gestalt den Spielplatz betritt. Ihr Haar, so Schwarz wie Ebenholz, glänzt in der Sonne. Es umweht elegant ihren Rücken und umschmeichelt ihren durchtrainierten Körper. Sie ist perfekt gestylt. Jedes Detail stimmt, von Fingernägeln bis Absatzschuh. Sie lächelt freundlich den anderen Müttern zu, ehe sie sich auf eine freie Bank setzt. 
Den scheinbar frischerworbenen, weil blitzeblanken, Kinderwagen stellt sie neben sich ab. Die Einkaufstüten im Korb verraten, dass sie gerade ausgiebig shoppen war. Nun holt sie ihr perfektes Baby heraus. Die Harfenklänge gewinnen nochmals an Schwung, um der Präsenz diesen Erdenbürgers zu huldigen. Die Sonne strahlt besonders euphorisch auf die perfekten, gleichmäßigen Gesichtszüge und dem Designerstrampfler. Das Baby lächelt leicht, wie seine Mutter, mehr nicht. Es schaut sich ruhig die Umgebung an und gibt dabei keinen Ton von sich. 

Ich komme mit ihr ins Gespräch und erfahre, dass das Baby (ca. 6 Monate alt) selbstverständlich bereits durchschläft, fast von Beginn an. Es sei sehr pflegeleicht, meckert nie, trinkt brav und ist in jeder Hinsicht ein Traumbaby. Das Haar der Mutter glänzt mit ihren Zähnen um die Wette.

Zwei Stunden später bricht sie wieder auf. Sie setzt ihr artiges Baby in den Designerkinderwagen, schüttelt nochmals ihr volles Haar, verabschiedet sich höflich lächelnd und verschwindet im Sonnenuntergang.

Auch ich mache mich nach Hause. Ich docke das dauernuckelnde Baby von der Brust ab, stecke es in den ausgediegenen Kinderwagen, sammle Spielzeug und meinen Wirbelwind ein, schüttele meinen kurzen Lockenkopf und verschwinde in die entgegengesetzte Richtung. Die Sandalen knatschen bei jedem Schritt.

Zu Hause überlege ich, warum mich diese Frau so fasziniert hat. Klar hätte ich auch gerne ein pflegeleichteres Baby. Vielleicht würde ich es dann auch schaffen meine Fingernägel zu lackieren. Obwohl, eigentlich habe ich das VOR der Kinderzeit auch nie gemacht. Und ich überlege, ob das Baby so ruhig ist, weil die Mutter so eine ausgelassene Stimmung ausstrahlt, oder umgekehrt. Ist die Mutter vielleicht nur deshalb so gelassen, weil das Baby so ruhig ist? Ich grübele den Abend noch etwas vor mich hin, während Wirbelwind Kekskrümel in der Wohnung verteilt und Wölkchen mal wieder an meiner Brust hängt. Und ich denke: eigentlich ist es doch ganz gut so, wie es ist. Oder?

Eure Wiebke

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