Stöckchenfreundschaft

Wirbelwind stapft über die Wiese, vorbei an den kargen Büschen und Sträuchern. Immer wieder bückt sie sich, hebt etwas auf, läuft ein Stück weiter, bückt sich erneut. Immer voller werden ihre Hände, so dass sie ihr wertvolles Gut kaum noch halten kann. Stolz präsentiert sie mir ihren Schatz: ein Häufchen Stöckchen in verschiedensten Formen und Größen. Sie liegen auf ihren kleinen Händchen, drohen ihr schon aus der Hand zu fallen, ehe sie diese sofort wieder fest umschließen.

Unser Spaziergang führt uns am Spielplatz vorbei. Sie hockt sich sofort in den Kies und fängt an mit der freien Hand eine Schaufel zu fassen und eifrig einen Eimer zu befüllen. Die zweite Hand hält die Stöcke weiterhin fest umschlossen. Bald wird das Wirbelwind zu langweilig. Sie zieht über den Spielplatz. Ein neues Mädchen, schätzungsweise 1 1/2 Jahre alt, betritt die Szenerie. Wirbelwind geht zögernd auf sie zu, reicht ihr wortlos, aber mit fragendem Blick ein Stöckchen und fordert es damit zum Spielen auf. Das Mädchen nimmt den Stock etwas verwundert entgegen, um es kurze Zeit später doch wieder Wirbelwind zurückzugeben und sich zu entfernen. Irritiert greift Wirbelwind nach dem Freundschaftsstöckchen und bleibt allein zurück.

Irgendwann legt sie die Stöcke ab und besteigt das Klettergerüst, die Stöckchen jedoch stets im Blick. Ein Junge nähert sich ihrem Sammelsurium und stochert damit etwas auf dem Boden herum. Wirbelwind ruft empört: "Meine Stöcke!". Ganz außer sich ist sie, so dass der Junge verschreckt stehen bleibt. Ich verspreche ihr darauf aufzupassen und lasse den Jungen weiter damit spielen. Nachdem dieser den halben Spielplatz mit den Hölzern abgelaufen hat, nimmt ihn seine Mutter an die Hand, um selber Stöcke zu sammeln. Sie verschwinden im Dickicht. 

Schließlich ist es Zeit nach Hause zu gehen. Die Stöcke will sie am Liebsten mitnehmen. Doch sie lässt sich überreden und deponiert sie an einem Baumstamm, wo sie sie beim nächsten Mal wieder mitnehmen kann. "Gute Nacht, schlaft schön", ruft sie ihnen noch hinterher, als wir uns langsam von ihnen entfernen.

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