Kompliziert und verwirrend - die deutsche Sprache auf dem kindlichen Prüfstand

Warum so kompliziert? An der deutschen Sprache verzweifeln ja nicht nur die Fremdsprachler. Auch wir Muttersprachler tappen immer wieder in die Falle. Nicht umsonst haben Bücher wie "Der Genitiv ist dem Dativ sein Tod" solch einen Erfolg gehabt, eben weil viele erst dort merken, was wir manchmal für einen Müll von uns geben. Und ich will nicht wissen, wieviel Rechtschreibfehler mir hier im Blog schon passiert sind.

In der Kürze liegt die Würze

Und nun müssen wir unseren Kindern die Sprache beibringen, damit sie in ein paar Jahren irgendwann verschachtelte Sätze formulieren und hochgetrabt reden können. Aber ich habe nun gemerkt, das ist eigentlich gar nicht nötig. Eigentlich sind Zwei-Wort-Sätze genauso aussagekräftig. Gerade bei Fragen besteht großes Kürzungspotenzial, weil die Frageformulierung, mit der Anhebung der Stimme am Ende des Satzes ja bereits die Frage impliziert. Da reicht doch der reine Informationsgehalt aus. Ohne Schnickschnack! Unser Wirbelwind hat dies eindrucksvoll demonstriert. Seht selbst:
 
Letztens beispielsweise hatte ich mit Wirbelwind in ihrem Zimmer gespielt. In der Zeit hatte der Papa den Fernseher angeschaltet. Als wir zurückkehrten und sie die Wohnzimmertür öffnete, schaute sie auf den flimmernden Fernseher und rief erstaunt "Hier los?" Sie hätte es nicht besser formulieren können!

Oder jetzt gerade: da besuchen wir die Großeltern. Wirbelwind ist immer darauf bedacht alle Familienmitglieder zusammenzuhalten. Wenn sie in den Raum kommt und jemand fehlt, wird das sofort kommentiert. Ist der Opa beispielsweise nicht an seinem üblichen Platz, fragt sie "Opa hin?" und lässt dabei die Augen durch den Raum schweifen.

Ihre Neugier zeigt sie auch sonst oft. Eines ihrer Lieblingswörter (und somit quasi auch Lieblingssätze) ist "Machst?" Ich bin im Bad und schneide mir die Nägel. "Machst?" Ich bin in der Küche und knistere mit der Alufolie. Schon höre ich ihre Tippelschritte im Flur, bevor sie um die Ecke schaut. "Machst?" Eigentlich genial, den Satz so kurz zu fassen, so kann der Gegenüber auch viel schneller beantworten. ;-)
 

Irgendwas stimmt da nicht!

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Andere Wörter machen einfach keinen Sinn. Gegenstände machen Dinge, die sprachlich irgendwie völlig unlogisch sind. Darauf hat mich weniger unser Wirbelwind gebracht, die ist sprachlich noch nicht so weit, aber ihr etwas älterer Kusin. Bei ihm beispielsweise war es üblich, dass die Glocken glocken, nicht läuten. Was sollen die Glocken denn auch sonst tun?

 
Dann gibt es wieder Ausdrücke, die ganz schön irreführend sein können. Heute musste ich beispielsweise gaaaanz dringend auf die Toilette "Groß machen". Doch diese besetzte schon seit einer gefühlten Ewigkeit der werte Herr Papa. Wirbelwind erklärte ich meinen angestrengten Gesichtsausdruck mit eben den Worten: "Die Mama muss mal dringend Groß machen!" Und schon flitzte sie los in den hinteren Teil der Wohnung. Ich dachte sie läuft zum Töpfchen und will es mir anbieten. Dann hielt sie an dem Poster, wo man die Größe des Kindes eintragen kann und zeigte darauf: "Groß machen". Echt genial. Da muss man als Erwachsener erstmal drauf kommen! Erst am Morgen hatten wir sie dort rangestellt und eben diese Worte benutzt, um ein schönen Wert (Ergebnis: 92 cm) zu erhalten. Die Wörter waren die gleichen, die Bedeutung jedoch eine gaaaanz andere. Die deutsche Sprache kann schon echt witzig sein.

Sicherlich ist Euch auch so eine Situation begegnet. Wo habt Ihr die deutsche Sprache bewundert, belacht oder verflucht?


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