Eine Schnecke auf dem Laufrad

Sooo ein schönes Wetter aber auch! Wir sind kurzerhand von Auto auf Laufrad und Fahrrad umgestiegen. Also Helm aufgesetzt, Beine voller Elan über das Laufrad geschwungen und schon geht es ab in Richtung Kindergarten. Ich rolle mit meinem Fahrrad hinterher. Es klappt wirklich prima, abgesehen von der Tatsache, dass ich mit meinem Rad fast umkippe beim Fahren, weil sie einfach in diesem Schneckentempo vor sich hin gurkt. Dabei ist sie nicht so langsam, weil sie nicht schneller kann, sondern einfach nicht will. Mal hält sie an und schaut einem Bus nach oder bewundert die Mauer, auf der sie so oft schon entlanggelaufen ist. Dann muss sie unbedingt die Klingel betätigen, was natürlich nur mit zwei Händen und somit im absoluten Laufrad-Stillstand geht. Ich klingle aufmunternd zurück, in der Hoffnung, dass es dann zügig weiter geht. Ha, falsch gedacht. Und spätestens an der grün gewordenen Ampel perfektioniert sie das Langsamfahren so sehr, dass ich vor Panik laut losbrülle. Die Passanten müssen mich für eine Rabenmutter halten, dass ich mein Kind so anschreie. Mein Respekt vor Autos im Straßenverkehr ist seit Wirbelwinds Agilität deutlich angestiegen. Und Wirbelwinds zögerlliches Verhalten im Kreuzungsbereich macht es nicht gerade besser. An einer Ampel mussten wir sogar umdrehen, weil wir gerade mal einen Meter weit gekommen waren, ehe sie (und nicht nur sie) wieder rot wurde. 

 
Das Bild ist vom Februar, nicht wundern, dass sie so dick eingepackt ist ;-)
Das Kind im Kindergarten sicher vestaut, durfte ich anschließend in Lichtgeschwindigkeit auf Arbeit düsen. 7 1/2 Stunden später ging das selbe Spiel von Vorne los: in der Kita das Kind eingesammelt bewegten wir uns wieder im Schneckentempo voran. Als ich sie einmal bat, doch etwas schneller zu fahren und sie es auch tat, vibrierten ihre Arme am Lenkrad von der Erschütterung auf den Pflastersteinen. Sie schaute ganz erstaunt auf ihre Unterarmen und begutachtete das Eigenleben. So etwas Seltsames hatte sie lange nicht mehr gesehen. Es war noch faszinierender als der Bus oder die Mauer von vorhin. Leider veranlasste sie diese Beobachtung dazu, das Tempo nochmals zu verringern. 
Kurz vor unserem zu Hause befindet sich praktischerweise der Spielplatz. Als wir langsam aber sicher darauf zusteuerten, schrie sie euphorisch los und zeigte plötzlich, welche Fähigkeiten in ihr steckten. Ich war inzwischen völlig durchnässt von meinem Fahrrad abgestiegen, weil ich den Wettkampf mit der Gewichtskraft aufgegeben hatte. Und so raste sie mir davon, so dass ich Mühe hatte, auf mein Rad zu springen und ihr in Windeseile hinterherzuhetzen. Plötzlich ging es also. Man musste nur den richtigen Anreiz setzen. Das nächste Mal mache ich es wie mit der Karotte und dem Esel. Nur dass ich Wirbelwind statt dem orangefarbenem Gemüse wohl eher ein "Quetschi" vor die Nase halten muss. So angespornt brauchen wir für die Strecke, die heute 20 Minuten gedauert hatte, bestimmt nur 10. Ich werde gleich mal nach einer Angel Ausschau halten...

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