Ein Tag aus den Augen des Wirbelwindes… TEIL 2



Fertig angezogen stehe ich an der Tür, bereit für den Kindergarten. Ich öffne die Tür (zum Glück kann ich das jetzt endlich selber!) und schaue noch kurz beim Nachbarn vorbei. Der hat einen Hund. „Wau wau“ rufe ich deshalb zur Tür. Manchmal kommt der Nachbar raus und zeigt mir, wie der Hund frisst oder schläft. Aber heute bleibt die Tür zu. Schade. Mama steht schon an der Treppe und scheint es eilig zu haben. Ich gehe hin und lasse mich runtertragen. Laufen wird überschätzt ;-) Wir fahren mit dem Auto, sagt die Mama. „Auto“ rufe ich begeistert und flitze aufgeregt den Weg entlang. Da ist es ja, es ist so schön blau, das erkenne ich immer schon von weitem. „Auto, Auto“ rufe ich aufgeregt und will hinlaufen. Meine Mama scheint sich nicht so zu freuen und hält mich fest. Ich protestiere. Immer die gleiche Reaktion, wenn wir an der Straße stehen.
Im Auto fahre ich ganz gerne, aber nur wenn es schnell geht. Wenn wir zu Oma und Opa fahren, dauert mir das viel zu lange. Aber in den Kindergarten geht es ja schnell. Da müssen wir am Kran vorbei, dann an der Ampel, und dann sind wir schon da. Die anderen Kinder, die gerade von ihren Eltern gebracht werden, rufen meinen Namen. Jeder scheint mich zu kennen. Auch meine Mama wird gerne mit meinem Namen angesprochen. Drinnen angekommen warten schon die Erzieher auf mich. heute sind wir so früh dran, dass erst zwei andere Kinder da sind, und so werde ich gleich von zwei Erziehern begrüßt. Ehe ich weiß wie mir geschieht, sitze ich bei einer auf dem Schoß. Meine Mama redet noch mit der Erzieherin darüber, was ich essen darf und was nicht, wegen meiner Haut, und gibt ihnen eine Liste mit Lebensmitteln, die Milchprodukte enthalten. Sie streichelt mir über das Haar und erwischt dabei auch etwas Haar von der Erzieherin. Beide lachen. Mama meint, sie hätte heute zu wenige Kuscheleinheiten bekommen. Die Erzieherin sagte daraufhin, sie kann gerne etwas abbekommen. Und schon gesellte sich die andere Erzieherin dazu und wollte auch mal kuscheln. Schon komisch, die Erwachsenen…
Der Tag im Kindergarten verging wie im Flug: Spielen, Essen, Schlafen, Essen, Spielen… Und plötzlich guckt der Papa durch die Tür. Oh wie schön, der Papa ist da. „Paaaapaaa“ rufe ich ganz aufgeregt und laufe - halb hüpfend - zu ihm hin. Es geht nach Hause. Früher sind wir da nochmal auf den Spielplatz gegangen. Aber heute ist es schon dunkel, als wir ankommen. Ich sehe das blaue Auto von der Mama heranfahren. Mit einem lauten „Mama!“ zeige ich, dass ich sie gesehen habe. Zu Hause angekommen flitze ich ins Wohnzimmer. Sieht das unordentlich aus, überall liegen Spielsachen herum. Ich will mir ein neues Fotobuch aus dem Regal nehmen und komme kaum an den Büchern, Kuscheltieren und Bällen vorbei, die dort im Weg liegen. Mama könnte ruhig mal aufräumen. Ich muss gähnen und meine Augen jucken etwas, so dass ich sie reiben muss. Ich könnte jetzt einen Nucki vertragen, aber Mama lässt mich ja nicht. Ich gucke ins Schlafzimmer, vielleicht liegt er dort noch von heute Morgen im Bett. Juhuu, Glück gehabt, da ist er ja. Stolz präsentiere ich meinen Schatz Mama und Papa. Die freuen sich aber nicht mit mir, sondern wollen ihn mir gleich wieder wegnehmen. „Nei“ rufe ich und laufe weg. Wenn ich ins Bett krabble, bin ich geschützt, da ist nuckelsichere Zone. Also nichts wie rein. Mama kommt dazu und knutscht mich schon wieder ab. Hatte sie nicht mit den Erziehern genug gekuschelt?
Draußen klappert es. Der Papa räumt Teller und Essen aus dem kalten Schrank auf den Tisch. „Abendbrot“ höre ich ihn sagen. Ich klettere vom Bett und gebe der Mama den Nucki freiwillig. Sie hätte ihn mir ja doch weggenommen. Am Tisch gibt es Brot mit Butter. Der Papa guckt kritisch auf die Butterschachtel und meint da wäre Buttermilch drin. Mama guckt ungläubig und sagt was von pflanzlicher Margarine und kratzt mir dann die Butter wieder vom Brot. Na zum Glück hat sie mir die Wurst drauf gelassen. Heute darf ich seit langem mal wieder aus dem Glas trinken. Nachdem ich eine Zeit lang geprüft hatte, wie schön das Wasser aus dem Glas laufen kann, wenn man es nach vorne kippt, gab es nur noch Schnabeltassen. Darum benehme ich mich heute und teste nicht aus, ob das Wasser immer noch aus dem Becher laufen würde.
Der Papa fragt mich, ob ich ins Bett möchte. „Heia“ höre ich mich sagen und flitze in mein Zimmer. Mama und Papa folgen mir, aber denkste die stecken mich in das Bett? Ne, sie packen mich auf den Wickeltisch und ziehen mich aus. Dann kommen der Waschlappen, die Creme auf die Aua-Stellen und der Schlafanzug. Mama bringt nochmal Milch. Die ist aber dünn heute… Und jetzt kann ich ins Bett. Aber nein, was hat der Papa da in der Hand? Nicht schon wieder diese Zahnbürste. Endlich ist das auch überstanden und ich werde ins Bett gelegt. Ich greife sofort nach meinem Nuckel und dem Schmusehasen. Ich halte mir ein Auge zu, damit Mama das Licht ausmachten kann, dann singen beide noch ein Lied, das selbe spielt der Teddy mit der Schnur nochmal ab, als Mama und Papa den Raum verlassen. Es wird dunkel, ich drücke den Hasen an mich und schlafe ein.

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